Ein Tag in und um Saint-Malo
saint malo - Festungsmauer und Strand bei Ebbe

Die mächtigen Mauern und steilen Dächer geben Saint-Malo seinen unverwechselbaren Charakter. Diese Mauern sollten die historische Korsarenstadt, einst das Ziel von Piraten und Freibeutern, schützen. Saint-Malo ist eine Stadt, die über Jahrhunderte hinweg ihre Unabhängigkeit bewahrt hat und noch heute das Flair einer eigenständigen Republik atmet. Gegenüber liegt, im reizvollen Kontrast zur Wehrhaftigkeit Saint-Malos, Dinard. Das Stadtbild des ehemaligen Seebads wird von eleganten Villen und mondänen Stränden geprägt. Zum Abschluss nehme ich Sie mit in ein ursprüngliches Fischerdorf ganz in der Nähe. Für mich ist das die perfekte Kombination für einen Tag in der Bretagne.

Saint Malo können Sie unter anderem auf unserer Normandie und Bretagne, sowie auf unserer Küste der Bretagne Reise kennenlernen!

Ein Morgen in Saint Malo – Geschichte in Stein gehauen

saint malo - Turm mit Flagge von Saint Malo.
Turm in Saint Malo

Saint-Malo ist nicht einfach nur eine Stadt. Sie ist ein Denkmal aus Granit, eine Festung. Der Eingang in die „Intra-Muros“ genannte Altstadt gleicht einer Reise in die Vergangenheit. Schon der Anblick der gewaltigen Stadtmauern, die sich fast vollständig um den historischen Stadtkern ziehen, beeindruckt mich jedes Mal aufs Neue. Ihr Ursprung reicht bis ins 12. Jahrhundert zurück. Ab 1689 erweiterte sie Siméon Garangeau, ein Schüler des berühmten Festungsbaumeisters Vauban, nach dessen Prinzipien – während Vauban selbst vor allem die vorgelagerten Inselforts wie das Fort National plante. Diese wechselvolle Baugeschichte erzählt von der unerschütterlichen Wehrhaftigkeit der Stadt.

Ein Spaziergang auf der Stadtmauer bietet Ihnen mehrere Perspektiven: Einerseits haben Sie den weiten Blick über das Meer und die Segelschiffe, die im Hafen von Saint-Malo ankern. Andererseits können Sie von hier in die Gassen der Altstadt hinabschauen und die bretonischen Granithäuser bewundern. Diese engen, verwinkelten Straßen wirken auf mich, als seien sie bewusst so angelegt worden, um Angreifern das Navigieren zu erschweren – und um Schutz vor dem rauen bretonischen Wetter zu bieten. Eine schöne Vorstellung, die beim Durchqueren der schattigen Gassen jedenfalls sofort einleuchtet.

saint malo - Eingang der Kirche von Saint Malo.
Kirche von Saint Malo

Mittelpunkt der Altstadt ist die Kathedrale Saint-Vincent. Mit ihrer markanten Fassade und den gotischen sowie romanischen Elementen spiegelt sie die bewegte Geschichte der Stadt wider. Während der Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt, wurde die Kathedrale detailgetreu wiederaufgebaut und ist heute ein Symbol für den Überlebenswillen Saint-Malos.

Die Stadt der Korsaren – eine historische Perspektive

saint malo - Die Insel Grand bla bei Ebbe.
Die Insel Grand Bé

Saint-Malo war nicht nur eine reiche Seefahrerstadt, sondern auch die Heimat der berühmten Korsaren. Diese vom König autorisierten Freibeuter nutzten die strategische Lage der Stadt, um den Seehandel zu kontrollieren und sich einen Reichtum zu sichern, der noch heute in den prächtigen Fassaden der Altstadthäuser zu sehen ist. Die Bewohner Saint-Malos haben ihre Identität als „Malouins“ immer stolz verteidigt, und ein bekanntes Sprichwort besagt: „Ni Français, ni Breton – Malouin suis!“ („Weder Franzose noch Bretone, ich bin Malouin!„)

Als ich durch die Stadt bummelte, führte mich mein Weg in die Rue de l’Orme, zum Maison du Beurre. Der kleine Laden ist auf den ersten Blick unscheinbar – bis man die riesigen Butterblöcke sieht, die dort aufgetürmt liegen. Ich habe mir bei meinem letzten Besuch die Zwiebelbutter mitgenommen und war so begeistert, dass ich tagelang kaum etwas anderes gegessen habe als diese Butter auf frischem Baguette. Wer nach Saint-Malo kommt, sollte sich hier unbedingt selbst durchprobieren – je nach Geschmack gibt es neben der Zwiebelbutter auch Varianten mit Meersalz oder anderen Zutaten.

Die Überfahrt nach Dinard – Ein Sprung in eine andere Welt

saint malo - Segeboote in der Bucht bei Dinard
Segelboote vor Dinard

Nach einem Vormittag in Saint-Malo können Sie am gegenüberliegenden Ende der Stadt die Fähre nach Dinard nehmen. Diese kurze Überfahrt ist mehr als nur ein Ortswechsel – es ist ein Sprung in eine andere Welt. Dinard, einst ein unscheinbares Fischerdorf, wurde im 19. Jahrhundert zu einem der beliebtesten Seebäder der aristokratischen Gesellschaft Frankreichs und Englands. Während Saint-Malo von engen, verwinkelten Gassen geprägt ist, bietet Dinard weite, offene Boulevards und eine prächtige Küstenlinie.

Architektur und Villen – Der Charme der Belle Époque

Dinard ist vor allem für seine Villenarchitektur bekannt, die in den späten 1800er Jahren von wohlhabenden französischen und britischen Familien errichtet wurde. Diese Villen, oft im Stil der Belle Époque, sind wahre Kunstwerke. Sie wurden nicht nur als Wohnhäuser gebaut, sondern auch, um den Reichtum und Geschmack ihrer Besitzer zur Schau zu stellen.

Ein Spaziergang entlang der Promenade du Clair de Lune ist für mich ein absolutes Muss. Diese Promenade verläuft entlang der Küste und bietet spektakuläre Ausblicke auf das Meer, während die eleganten Villen am Hang thronen. Hier spüre ich jedes Mal den Luxus vergangener Zeiten: Blaue, leuchtende Kuppeln und kunstvoll verzierte Fassaden erzählen von der Blütezeit Dinards als mondänes Seebad.

Dinard – Eine Stadt der Kontraste

saint malo - Landkarte von Dinard
Stadtplan von Dinard

Anders als in den kühlen Steinmauern Saint-Malos fühlt sich die Atmosphäre in Dinard entspannter und luftiger an. Die blau-weiß gestreiften Zelte am Strand erinnern an vergangene Zeiten, als der Badeurlaub noch ein Privileg der Reichen war.

Neben der beeindruckenden Küstenlandschaft bietet Dinard auch zahlreiche Parks und Gärten, die eine grüne Oase inmitten der Villenviertel darstellen. Besonders der Parc de Port-Breton ist einen Besuch wert. Er ist nicht nur ein Ruhepol, sondern auch ein Beispiel für die durchdachte Stadtplanung der Belle Époque, die darauf ausgelegt war, Erholung mit mondänem Luxus zu vereinen.

Der idyllische Abschluss – Saint-Suliac, das schöne Dorf 

saint malo - Sonnenuntergang über dem Meer bei Saint Malo
Sonnenuntergang in Saint Malo

Nachdem Sie mit der Fähre nach Saint-Malo zurückgekehrt sind und die Stadt noch einmal auf sich haben wirken lassen, empfehle ich Ihnen für einen Sundowner das nahegelegene Saint-Suliac. Der Ort ist so klein, dass es dort nur ein, zwei Strandbars überhaupt gibt – doch genau das macht für mich den Reiz aus. Nach einem Tag zwischen den touristisch belebten Städten Saint-Malo und Dinard wirkt Saint-Suliac wie ein krasser Gegensatz: ruhig, beschaulich, fast ein bisschen verschlafen. Ich habe dort selbst bei einem Glas in einer der kleinen Bars gesessen und genau diese Stille genossen.

Dieses kleine Fischerdorf, idyllisch an der Rance-Mündung gelegen, zeugt vom traditionellen Leben in der Bretagne. Saint-Suliac hat sich seinen ursprünglichen Charakter bewahrt – hier finden Sie keine mondänen Villen, sondern charmante Granithäuser, die sich an die sanften Hügel schmiegen.

Die romanische Kirche Saint-Suliac aus dem 12. Jahrhundert ist das Zentrum des Dorfes. Umgeben von blühenden Hortensien und verwinkelten Gassen, bietet Saint-Suliac einen schönen Kontrast zu Saint-Malo und Dinard. Ein Spaziergang entlang des kleinen Hafens, wo einst die Fischerboote anlegten, führt Sie durch die malerische Landschaft, die von Apfelbäumen und kleinen Feldern geprägt ist. Hier lässt es sich wunderbar bei einem Glas Cidre entspannen, während die letzten Sonnenstrahlen des Tages auf die ruhige Wasseroberfläche der Rance fallen.

Herzlichst,

Ihre Antje Seele

 

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Antje Seele
Antje Seele, die Gründerin von Tour Exquisit, ist nicht nur eine leidenschaftliche Reisende, sondern auch eine Visionärin, wenn es um nachhaltigen Tourismus geht. Ihre tiefe Verbundenheit zu Kultur und Natur spiegelt sich in jeder Reise wider, die Tour Exquisit anbietet. Als Vorstandsmitglied des Forum anders reisen setzt sie sich aktiv für umweltbewusste und sozialverträgliche Reiseformen ein, die sowohl den Reisenden als auch den bereisten Regionen langfristig zugutekommen. Ihre persönliche Reisephilosophie basiert auf Authentizität und Respekt, was sich in der sorgfältigen Auswahl der Unterkünfte und Routen widerspiegelt – stets mit einem feinen Gespür für das Besondere und das Regionale.