
À table! Der Frankreich-Podcast · Folge 9
Normandie-Cotentin: Krimis, Küstenpfade und Mont-Saint-Michel – im Gespräch mit Maria Dries
Krimiautorin Maria Dries erzählt von der Halbinsel Cotentin, kleinen Häfen, rauen Küstenwegen und der Magie des Mont-Saint-Michel.
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Worum geht es in dieser Folge?
In Folge 9 von „À table!“ spricht Antje Seele mit der Krimiautorin Maria Dries über die Halbinsel Cotentin, die raue Spitze der Normandie. Dort ermittelt ihr Kommissar Philippe Lagarde. Es geht um Barfleur mit seinem Naturhafen und dem Leuchtturm von Gatteville, um Austern aus Saint-Vaast-la-Hougue, die Insel Tatihou, das Cap de la Hague mit seinen Zöllnerpfaden, Port Racine als kleinsten Hafen Frankreichs, die Chausey-Inseln, Granville und die Frage, wie man den Mont-Saint-Michel jenseits des Trubels erlebt.
Transkript der Folge
Sie möchten die Folge lieber lesen? Hier finden Sie die redaktionell geglättete Fassung des Gesprächs. Der persönliche Gesprächston bleibt erhalten.
Podcast: À table! Der Frankreich-Podcast von Tour Exquisit
Folgentitel: Normandie-Cotentin: Krimis, Küstenpfade und Mont-Saint-Michel – im Gespräch mit Maria Dries
[00:00:05]
Begrüßung: auf die Halbinsel Cotentin
Antje Seele: Bienvenue bei „À table!“, dem Frankreich-Podcast von Tour Exquisit mit Antje Seele. Hier hören, schmecken und erleben Sie Frankreich auf vielfältige Weise – mit Menschen, die dem Land verbunden sind. Heute reisen wir in den Westen Frankreichs, an die raueste Spitze der Normandie – auf die Halbinsel Cotentin. Mein Gast ist die Krimiautorin Maria Dries. Seit 15 Bänden ermittelt ihr Kommissar Philippe Lagarde zwischen Leuchttürmen, Granitdörfern und Gezeiten. Frau Dries, wann ist Ihnen zuletzt beim Frühstück eine Mordidee gekommen?
[00:00:24]
Mordideen beim Frühstück
Maria Dries: Mir kommen ständig Mordideen – nicht nur beim Frühstück. Manchmal wache ich früh auf und habe einen Geistesblitz. Das arbeitet ständig im Unterbewusstsein.
Antje Seele: Sie sind eine friedliche Frau, aber mit krimineller Fantasie. Oder schlummert da ein Abgrund?
Maria Dries: Nein, ich persönlich bin völlig harmlos, friedlich und arglos. Aber diese Ideen entwickeln sich – und man gewöhnt sich daran, sie ganz offen zu entwickeln. Als mein Mann noch am Leben war, hat er bei Interviews schon gesagt: Bei uns wird daheim gemordet. Wir haben immer gehofft, dass keiner zuhört. Aber es ist rein auf die Bücher bezogen. Ansonsten geht es bei uns ganz friedlich zu.
Antje Seele: Sie haben ja auch gemeinsam Mordideen am Frühstückstisch entwickelt. Das hatte ich gelesen.
Maria Dries: Genau. Mein Mann hat mich sehr unterstützt. Wir haben das Konzept zusammen entwickelt und oft wirklich Inhalte besprochen. Er war auch der Erstleser. Irgendwann gewöhnt man sich daran, über solche Sachen zu sprechen. Man muss nur aufpassen, wenn man im Restaurant sitzt, dass man leise spricht und niemanden erschreckt. Im Grunde ist es reine theoretische Arbeit, um im Text voranzukommen.
Antje Seele: Und haben Sie das dann immer sofort notiert?
Maria Dries: Ich habe meistens ein Notizbüchlein dabei.
[00:02:24]
Schreiben mit Struktur
Antje Seele: Haben Sie einen Rhythmus, wie Sie schreiben?
Maria Dries: Bis letztes Jahr habe ich noch gearbeitet und am Wochenende geschrieben. Seit ich im Ruhestand bin, habe ich trotzdem eine Struktur – ich arbeite sehr diszipliniert und habe bestimmte Zeiten. Meistens setze ich mich am frühen Nachmittag hin, wenn ich alles erledigt und das Sportprogramm gemacht habe. Dann nehme ich mir drei, vier Stunden vor und arbeite.
Antje Seele: Sie haben sich unter anderem auf die Normandie spezialisiert. Die Geschichten entstehen ja nicht zufällig, sondern haben mit den Orten zu tun. Sie waren, glaube ich, mit 17 das erste Mal in Frankreich – an der Côte d’Azur.
Maria Dries: Das stimmt. Ich war am Gymnasium in Langen und hatte Französisch als Lieblingsfach. Mit 17 hatte ich einen Freund mit einem Cabriolet, und wir sind in den Sommerferien an die Côte d’Azur gebraust. Da hatte ich den Eindruck: Ich bin jetzt da, wo ich eigentlich hingehöre. Immer wenn ich über die Grenze fahre, das erste Croissant esse und den ersten französischen Kaffee trinke, denke ich: Ich bin zu Hause. Woher das genau kommt, weiß ich nicht.
[00:03:53]
Die Faszination der Normandie
Antje Seele: Jetzt schreiben Sie hauptsächlich über die Normandie. Wie kam das? Warum nicht über die Provence?
Maria Dries: Als ich mich entschlossen habe, Krimis in Frankreich spielen zu lassen, haben wir nicht lange überlegt. 2012 waren wir das erste Mal auf dem Cotentin. Wir sind darauf gekommen, weil mich die Bilder so fasziniert haben – diese ganz wilde Gegend, rau, mit schroffen Klippen und Tidenhüben von zwölf Metern. Das ist gewaltig. Da habe ich entschieden, dass ich die Reihe dort spielen lasse.
[00:04:54]
Barfleur und seine Geheimnisse
Antje Seele: Ihren Kommissar haben Sie in Barfleur angesiedelt – ein kleiner Ort mit Bruchsteinhäusern, Granit, Naturhafen, engen Gassen. Was hat Sie so überzeugt?
Maria Dries: Wir hatten in der Nähe, auf der anderen Seite an der wilden Westküste, ein kleines Ferienhaus und sind über die ganze Halbinsel gefahren, um uns die Orte anzuschauen. Barfleur wurde einmal zum schönsten Dorf Frankreichs gewählt – das hat meine Aufmerksamkeit erregt. Es ist ein Hafen mit einer wuchtigen Wehrkirche, vorne die Seenotrettung, weil durch den Tidenhub viel passiert. Wenn die Flut abzieht, kippen die Boote in den Schlick. Das sieht faszinierend aus. Und wenn die Flut wieder einläuft, hebt sie die Boote quasi wieder hoch. Das Ganze ist wild, rau und faszinierend. Dahinter liegt der Leuchtturm von Gatteville – einer der größten Leuchttürme Frankreichs, an der äußersten Nordostspitze der Halbinsel. Dieses ganze Setting hat mich so beeindruckt, dass ich mich für Barfleur entschieden habe.
Antje Seele: Ich war selbst schon mal da und habe dort direkt an der Küste gegessen. Diese umgekippten Boote bei Ebbe – das hatte ich so noch nie gesehen. Gibt es ein Café oder Restaurant, wo Sie besonders gerne sind?
Maria Dries: An der Promenade gibt es Cafés, ein Restaurant, Souvenirläden. Da war ein ganz bestimmtes Café mit typisch normannischen Gerichten – die goldenen Muscheln von Barfleur. Das war eines meiner Lieblingsgerichte. Wir haben da manchmal gegessen und die Muscheln probiert. Die Schalen schauen ein bisschen golden aus.
Antje Seele: Und was ist Ihre liebste Tageszeit dort?
[00:07:30]
Mit dem Mountainbike nach Saint-Vaast-la-Hougue
Maria Dries: Eigentlich jede. Ich war zu jeder Tages-, Mittags- und Abendzeit unterwegs. Wir haben uns manchmal auch getrennt – ich habe immer mein Mountainbike dabei und bin die Küste entlanggefahren oder kreuz und quer über die Halbinsel. Auch bei wildem Sturm und Regen. Es ist eigentlich immer schön und aufregend.
Antje Seele: Ein Stückchen weiter liegt Saint-Vaast-la-Hougue mit der Vauban-Festung im Meer. Waren Sie da auch mit dem Fahrrad?
Maria Dries: Ja, da war ich auch mit dem Fahrrad. Das ist nur zu empfehlen. Vauban hat dort eine befestigte Hafenanlage gebaut. Genau gegenüber liegt eine ganz kleine Insel – Tatihou. Da kann man mit einem amphibischen Boot hinüberfahren, das bei Ebbe Räder ausfährt. Dahinter liegen die Muschelbänke und Austernbänke.
Antje Seele: Ich merke schon: Sie sind Austern-Fan.
Maria Dries: Absolut.
[00:08:53]
Austern und ihre Zubereitung
Antje Seele: Haben Sie eine Lieblingsart, ein Lieblingsrezept?
Maria Dries: Ganz einfach: aufklappen, Zitronensaft, essen.
Antje Seele: Das Austernsuchen ist in der Normandie ja ein richtiger Sport. Haben Sie das mal mitgemacht?
Maria Dries: Mitmachen darf man nicht, aber man kann zuschauen. Wir haben einen Kaffee getrunken, am Hafen gesessen und geguckt. Bei Ebbe fahren die Züchter mit Traktoren und Anhängern hinein, drehen die Säcke, schauen, wie groß die Austern sind, wie sie wachsen. Manchmal werden sie geerntet und wieder hinausgefahren. Mir ist erst jetzt richtig klar geworden, wie aufwendig das ist. Die brauchen vier Jahre, bis sie fertig sind, und werden zwischendurch in neue Säcke umgepackt. Die Austern wachsen auf der Ostseite, weil die Westseite zu wild ist. Wenn dann noch Flüsse in das Becken fließen, gibt es eine Mischung aus Salz- und Süßwasser – das ist optimal für sie.
[00:10:44]
Der Leuchtturm von Gatteville
Antje Seele: Der Leuchtturm von Gatteville hat so viele Stufen, wie das Jahr Tage hat – 365. Waren Sie schon oben?
Maria Dries: Ja. Der Ausblick über die ganze Bucht ist faszinierend – man sieht bis zu den Chausey-Inseln und hat einen tollen Blick auf den Ärmelkanal.
[00:11:08]
Kommissar Philippe Lagarde
Antje Seele: Da spielen auch ein oder zwei Szenen im Leuchtturm. Ist Philippe Lagarde jemand, der den Überblick sucht – oder lieber im Detail ermittelt?
Maria Dries: Er behält immer den Überblick. Privat ist er sehr charmant, kultiviert, trägt seine Odette auf Händen. Aber er ist auch ein Elitepolizist, der durchsetzungsfähig ist. Eine Mischung: charmanter Frauenversteher und eine Art James Bond aus der Normandie.
Antje Seele: Das ist eine schöne Formulierung. Dann reisen wir weiter in Richtung Westen, zum Cap de la Hague. Da siedeln Sie ja auch einige Szenen an. Was unterscheidet diese Küste vom Rest des Cotentin?
[00:12:31]
Das Cap de la Hague
Maria Dries: Man kann sagen, dass das Cap de la Hague alle Attribute des Cotentin vereint, aber noch ausgeprägter. Es sieht zum Teil schon ein bisschen aus wie Irland – ganz schroffe Felsen, Meeresgrotten, steile Abstürze, und der Ozean tobt um dieses Kap. Es gibt gefährliche Strömungen, die Fischer müssen sehr vorsichtig sein. Der Leuchtturm von Goury steht auf einem Felsen im Meer. Wenn man sieht, wie Sturm und Brandung ihn umtosen – das ist sehr beeindruckend.
Antje Seele: Und wie ist die Vegetation dort?
Maria Dries: Heidelandschaft – Ginster, Erika. Und diese Heckenlandschaft, in der Felder und Weiden eingegrenzt sind, damit die Schafe vor den Herbststürmen etwas Schutz haben.
[00:14:30]
Wandern auf den Zöllnerpfaden
Antje Seele: Das klingt eher nach Wandergebiet als nach Radfahrgebiet.
Maria Dries: Das stimmt. Da bin ich nicht Fahrrad gefahren – zu wild, zu hügelig. Aber wandern kann man dort sehr schön. Es gibt die alten Zöllnerpfade, die Chemins des Douaniers, auf denen früher die Zöllner kontrolliert haben, ob geschmuggelt wird. Die sind jetzt als Wanderwege ausgebaut und gut beschildert. Im Prinzip könnte man von der Normandie bis in die Bretagne am Meer entlang wandern. Man sollte trittsicher sein und nicht in Flipflops losziehen – aber die Pfade sind absolut spektakulär. Die Landschaft wechselt ständig: schroffe Klippen, wo es senkrecht hinuntergeht, und dann wieder wunderschöne sandige Buchten.
Antje Seele: Waren Sie da meistens im Sommer unterwegs?
Maria Dries: So von Juni bis September. Und es ist überhaupt nicht überlaufen. Wir haben erlebt, dass wir quasi den ganzen Strand für uns allein hatten.
[00:15:17]
Port Racine – der kleinste Hafen Frankreichs
Antje Seele: Ganz in der Nähe gibt es noch einen kleinen, stillen Ort, von dem Sie mir erzählt haben.
Maria Dries: Port Racine – der kleinste Hafen Frankreichs. Er liegt noch oben an der Nordküste, zwischen Cherbourg und dem Cap de la Hague. Da gibt es viele kleine Weiler, die Häuser stehen sehr geduckt, um sich vor dem Wind zu schützen. Der Hafen ist winzig – da passen nur ein paar Fischerboote hinein, die noch an Seilen hängen, damit sie nicht davontreiben. Es lohnt sich auf jeden Fall. Und in der Nähe liegt das Haus von Jacques Prévert, dem berühmten französischen Poeten, der sich dort im Alter zurückgezogen hat. Das kann man besichtigen, es gibt auch ein kleines Museum.
Antje Seele: Kann man da gut einkehren, wenn man unterwegs ist?
Maria Dries: Wir haben immer etwas gefunden. Man sitzt draußen, am Strand, direkt an der Bucht und am Fischerhafen, trinkt Kaffee oder isst eine Kleinigkeit. Oder oben auf den Felsen – da gibt es manchmal einen kleinen Imbiss mit tollem Kaffee und Kuchen. Ein Picknick braucht man eigentlich nie dabeizuhaben.
Antje Seele: Ich stelle mir immer diese Steinhäuser aus Granit vor und davor die blühenden Hortensien – das ist für mich der Inbegriff der Region.
[00:17:38]
Hortensien, Burgen und Abteien
Maria Dries: So sieht es auch aus. Die Hortensien wachsen dort ganz üppig vor jedem Haus – blau, rosa und weiß, mit diesen großen Blütenbällen. Das sieht wunderschön aus.
Antje Seele: Wir haben viel über Natur gesprochen. Gibt es auch kulturell Schönes – Schlösser, Burgen?
Maria Dries: Fast überall gibt es Schlösser und Burgen. Ich habe Ihnen von einer normannischen Burg erzählt – die liegt auf der Westseite, etwas im Wald versteckt. Eine richtige Burg aus dem 11. Jahrhundert, mit Kerker und Gefängniszellen. Sehr interessant. Und wenn man so eine Burg besichtigt, springt sofort die Fantasie an. Ich bin ins Gefängnis hinein, habe die Stäbe angefasst, mein Mann hat das fotografiert. Im zweiten Buch hat Lagarde dann auch dort ermittelt. Ich versuche immer, die Faszination und die Eindrücke einzuarbeiten.
Antje Seele: Es gibt ja auch viele Abteien in der Region.
Maria Dries: Ja, weiter unten gibt es eine Abtei – die lohnt sich auch immer.
[00:19:38]
Hochzeit auf den Chausey-Inseln
Antje Seele: Wir hatten schon über Tatihou gesprochen, und es gibt ja auch noch andere Inseln. Ihr Kommissar heiratet sogar auf einer davon. Warum dort?
Maria Dries: Der 15. Band ist letzte Woche erschienen, und da heiratet er – weil viele Leser sich das gewünscht haben. Er liebt ja seine Odette, die beiden verstehen sich sehr gut. Ich habe lange überlegt, wo sie heiraten sollen – das perfekte Setting. Dann bin ich auf die Chausey-Inseln gekommen. Da war ich einmal. Man kann von der Westküste aus, zum Beispiel von Granville, mit dem Boot hinüberfahren. Es sind mehrere Inseln – eine etwas größer, die anderen klein, die meisten unbewohnt. Auf der Hauptinsel gibt es einen Hafen, ein Hotel, eine Kirche und noch drei, vier Häuser. Man kann die ganze Insel in zwanzig Minuten umrunden. Das ist absolut perfekt – ich war selbst so begeistert. Wenig Leute, weil die Insel zu klein ist für viele Touristen. Und wegen der kleinen Granitkapelle – dort haben sie sich trauen lassen. Ich würde jedem empfehlen, dorthin zu fahren.
Antje Seele: Man kann also auch nur für ein paar Stunden hinüberfahren?
Maria Dries: Genau, man fährt abends wieder zurück. Von Granville sind es vielleicht zehn, zwanzig Kilometer, eine Stunde Fahrt. Oder man bucht ein Zimmer im Hotel und bleibt über Nacht.
[00:21:46]
Granville und der Blick auf den Mont-Saint-Michel
Antje Seele: Sie haben Granville erwähnt – eine Stadt mit einer ganz spektakulären Lage.
Maria Dries: Granville liegt auf einem Felssporn, sehr hoch. Wenn man an den Rand geht, schaut man die Klippe senkrecht hinunter. Oben ist die Altstadt, unten die Unterstadt mit alten Villen und Patrizierhäusern – ein sehr schöner Ort. Davor liegt noch die Villa von Christian Dior, mit Privatstrand natürlich. Die kann man besichtigen – heute ist ein Modemuseum darin. Und dann fängt die Bucht des Mont-Saint-Michel an. Ich bin auf ein Kalkplateau hochgewandert, weil Vauban dort eine Hütte hatte. Durch Ginster und wilde Landschaft – und dann steht man plötzlich hundert Meter oben und sieht auf die Bucht des Mont-Saint-Michel, wie der heilige Berg sich da erhebt. Die Ikone der Normandie.
Antje Seele: Ich kenne diese Hütte. Ich habe mich genauso genähert und hatte richtig Gänsehaut, als ich das erste Mal den Mont-Saint-Michel von dort oben gesehen habe. Wann waren Sie das erste Mal dort?
Maria Dries: Das muss ich überlegen – das ist schon zwanzig Jahre her. Ich war das erste Mal mit einer Freundin dort, dann vor ein paar Jahren noch mal mit meinem Mann. Insgesamt drei- oder viermal. Er zieht einen magisch an. Man muss das aber zulassen können. Ich habe auch schon mit Leuten geredet, die gesagt haben: viele Leute, keine Mystik, furchtbar. Das stimmt aber so nicht. Man muss vielleicht unter der Woche hin, früh – und bereit sein, diese Aura in sich aufzunehmen. Dann klappt das auch.
Antje Seele: Man muss es einfach erfahren. Diese Gasse hochlaufen, sich alles anschauen. Dort wohnen ja nur noch vierzig oder sechzig Menschen. Diese kleinen Nebengässchen, wie sich das ineinander verschachtelt. Und wenn man Glück hat, ist wenig los.
[00:25:05]
Wattwanderung und die Annäherung an den heiligen Berg
Antje Seele: Haben Sie da auch mal eine Wattwanderung gemacht? Der Mont-Saint-Michel ist ja umspült – es gibt nur diesen einen Damm.
Maria Dries: Nein, das habe ich nicht gemacht. Wattwanderungen sind mir unheimlich. Früher kamen die Pilger übers Watt, und viele sind dabei ertrunken – dieser Treibsand, der einen hinunterzieht. Das war nichts für mich. Wobei man das natürlich mit einem ausgebildeten Führer machen kann.
Antje Seele: Genau, wir bieten das unseren Kunden an – aber nur mit einem ausgebildeten Wanderführer. Ich habe mir den Tipp geben lassen, im Hochsommer abends hinzufahren, kurz vor der Schließung. Es gibt den Shuttlebus, aber ich bin zu Fuß über den Damm gegangen – und war fast allein. Das war so toll. Man muss einfach einen Moment erwischen, in dem wenig los ist. Vielleicht vormittags oder abends in der Dämmerung. Dann sieht man vielleicht auch die Mönche, die dort beten oder singen. Und kann die ganze Kraft dieses Berges spüren.
Maria Dries: Ich habe mich auch viel mit dem Bau beschäftigt – der dritte Lagarde spielt zum großen Teil auf dem Mont-Saint-Michel. Diese Dreiteilung mit der Abtei oben, wie viele Jahrzehnte der Bau gedauert hat, die Höhlen und unterirdischen Gänge, die alten Zahnräder, mit denen die Steine hochgeholt wurden. Wenn man sich darauf einlassen kann, spürt man, dass das etwas ganz Besonderes ist.
[00:27:12]
Abschluss und Ausblick
Antje Seele: Das ist gewöhnlich der Abschluss der Normandie – Bretagne und Normandie haben ja gestritten, wem der heilige Berg eigentlich gehört. Die Normandie hat sich durchgesetzt. Wir sind am Ende der Normandie, aber noch nicht ganz am Ende unseres Gesprächs. Wenn Ihr Kommissar gerade geheiratet hat – sind da noch einige Bände geplant?
Maria Dries: Auf jeden Fall. Es war der 15. Band, und er ist ja schon öfter woanders hingereist. Als ehemaliger Elitepolizist wird er hinzugezogen, wenn Fälle unlösbar scheinen oder öffentliches Interesse besteht. Er war zum Beispiel an der Loire, wo ein Bogenschütze die Gegend unsicher gemacht hat und der Tourismusverband große Angst hatte, dass die Touristen wegbleiben.
Antje Seele: Da können wir vielleicht bei einem unserer nächsten Podcasts über die Loire und die Loire-Schlösser sprechen – das ist ja auch eine unserer Reisen.
Maria Dries: Das können wir gerne machen. Ich bin auch ein sehr großer Loire-Fan.
Antje Seele: Dann danke ich Ihnen sehr für das Gespräch – für Granit und Gezeiten, für Leuchttürme und diese schöne Liebesgeschichte. Aus dieser Reise heraus haben wir ja auch schon überlegt, ob wir eine Krimireise machen: von Barfleur bis zum Mont-Saint-Michel, auf den Spuren von Kommissar Lagarde, immer an der Küste der Halbinsel Cotentin entlang.
Maria Dries: Da freue ich mich drauf.
Antje Seele: Ich bedanke mich für das Gespräch und freue mich schon, das Ende des dritten Bandes zu lesen.
Maria Dries: Viel Vergnügen und viel Spannung. Schauen Sie mal, ob Sie den Schurken erraten.
Antje Seele: Alles Gute. Tschüss.
Maria Dries: Tschüss.
Lust auf die Normandie bekommen? Schreiben Sie mir eine kurze E-Mail an info@tourexquisit.de mit dem Betreff „Normandie“. Ich antworte immer persönlich.
