Ein Sommer ohne Frankreich?
Für Johannes J. Arens kaum denkbar. Der Kölner Kulturanthropologe und Food-Autor reist seit Jahren durch unser Nachbarland – stets auf der Suche nach besonderen Momenten, gutem Essen und authentischen Begegnungen. Was ihn dabei besonders fasziniert: die kleinen privaten Unterkünfte abseits touristischer Pfade. Sie sind für ihn der Schlüssel zu dem, was er als das wahre Frankreich bezeichnet: ein Land voller kulinarischer Vielfalt, landschaftlicher Ruhe und kultureller Tiefe. Genussreisen, die in Erinnerung bleiben.
Ich habe in meinem neuen Podcast mit Johannes J. Arens gesprochen, wer ihm zuhört, merkt schnell: Frankreich ist für ihn mehr als ein Reiseziel. Es ist eine wiederkehrende Erzählung, gespeist aus Gerüchen, Gesprächen und Gewohnheiten. Genuss, das ist für ihn kein Luxus, sondern ein stiller Ausdruck von Aufmerksamkeit – für Orte, Menschen, Zutaten.
Genau das entspricht auch unserer Philosophie bei Tour Exquisit: Wir gestalten unsere Frankreichreisen so, dass Begegnungen möglich werden, Genuss Raum bekommt und Atmosphäre spürbar bleibt. Wie Herr Arens bevorzugen auch wir charmante Privatunterkünfte mit engagierten Gastgebern – Orte, die Geschichten erzählen und Einblicke geben.
Privates Ankommen: Zwischen Gesprächen und Gartenblick
Arens beschreibt seine Lieblingsmomente beim Reisen mit Bedacht. Der schönste sei oft der der Ankunft. Wenn sich die Tür öffnet, nicht durch eine Schlüsselbox, sondern von jemandem, mit dem man vielleicht zuvor telefoniert hat. Man tritt ein, wird in den Wintergarten gebeten, bekommt etwas zu trinken. Und man beginnt zu erzählen.
Einer seiner erinnerungswürdigsten Aufenthalte: eine Villa in der Picardie, mit Oldtimer-Ausfahrt über den Hof. Oder das Haus an der Loire, wo zum Frühstück acht hausgemachte Marmeladen serviert wurden – allesamt aus dem Garten. Diese intimen Einblicke in Alltagskultur lassen sich nur in privaten Unterkünften erleben.

Begegnungen statt Servicekultur
Der Austausch mit Gastgebern ist für Arens mehr als nette Zugabe. Oft entstehen daraus besondere Erlebnisse: eine spontane Einladung zur Champagnerprobe beim befreundeten Winzer, ein Abend an einer Table d’Hôte mit Menschen aus vier Ländern, ein Gespräch über die beste Pâté der Region. Es sind nicht nur Unterkünfte, sondern Begegnungsorte.
Zwar ist die Sprachbarriere für viele Reisende ein Thema, doch Arens sieht das gelassen. In all den Jahren, so sagt er, sei er nie ernsthaft an sprachliche Grenzen gestoßen. Die Bereitschaft zur Verständigung sei auf beiden Seiten gewachsen.

Genussreisen mit System und Spielraum
Jedes Jahr eine andere Region. Maximal zwei Nächte pro Ort. So sieht Arens’ Reiseprinzip aus. Dabei legt er großen Wert auf Landkarten, auf Planung, aber auch auf spontane Entdeckungen. Grundlage der Reiseroute: “Wein, Wurst und Käse”. Diese Formel beschreibt, was seine Reisen ausmacht: genussvoll, regional, bewusst.
Kulinarik ist nie Beiwerk, sondern immer Kern. Einfache Picknicks am Straßenrand sind genauso wichtig wie Empfehlungen der Gastgeber. Mal ein Burger vom Wohnwagen-Grill, mal Haute Cuisine im Bauernhofrestaurant – Arens schätzt die Mischung.
Besonders geprägt habe ihn ein Aufenthalt im Béarn. Dort, in einem abgelegenen Tal, servierten ihm ältere Gastgeber ein einfaches Abendessen mit Bohneneintopf, Schafskäse und selbstgemachtem Cidre. Kein Menü, keine Auswahl – aber eine Wärme, die bis heute nachwirkt. „Diese Reduktion auf das Wesentliche, ohne Verzicht auf Qualität, ist für mich tief französisch.“
Terroir schmecken, Landschaft erleben
Was ist typisch für eine Region? Für Arens beginnt die Antwort beim Terroir. Was im Weinbau begann, gilt auch für Käse, Obst, Wurst. Über Geschmack lässt sich die Landschaft erschließen. Die Pyrenäen, sagt er, hätten ihn besonders überrascht: Espelette-Paprika, baskischer Käsekuchen, Süßwein aus Banyuls.
Diese Verbindung aus Kulinarik und Geografie macht für ihn den Reiz Frankreichs aus. Supermarktregale und Wochenmärkte erzählen Geschichten über Stolz, Wissen und regionale Identität.

Rituale des Genusses
Auch zuhause pflegt Arens Rituale. Der Freitagabend beginnt mit einem Aperitif. Mal in seiner, mal in der Wohnung seines Partners. Es geht dabei nicht nur um das Getränk, sondern um das bewusste Innehalten. Der Übergang vom Alltag ins Wochenende.
In Restaurants liebt er die Atmosphäre genauso wie das Beobachten. Ob allein oder mit Freunden: Essen ist für ihn immer auch Erzählung, immer Ausdruck von Kultur.
Praktische Aspekte: Planung mit Flexibilität
Privatunterkünfte brauchen Vorbereitung. Gerade in wenig touristischen Regionen ist Vorausplanung sinnvoll. Arens reserviert die Unterkünfte meist im Voraus, Restaurants dagegen selten. Die besten Tipps, sagt er, kommen oft von den Gastgebern.
Picknicks gehören fest dazu. Ein gutes Baguette, Pâté, Käse, Cornichons, Obst. Dazu ein Glas Wein. Im Auto immer dabei: ein Picknick-Set.
Fazit: Genuss als Haltung
Reisen wie Johannes J. Arens heißt: bewusst sein, zuhören, schmecken. Genussreisen sind keine Frage des Luxus, sondern der Haltung. Sie beginnen beim Frühstückstisch einer Gastgeberin und enden mit einem Glas Banyuls unter einem Kastanienbaum. Wer so reist, entdeckt Frankreich nicht nur als Land, sondern als Lebensart.
Der Podcast mit Johannes J. Arens verbindet unser Reiseverständnis mit echten Bildern aus dem französischen Alltag – ruhig, detailreich und voller kulinarischer Zwischentöne.
Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Hören,
Ihre Antje Seele

