Podcast-Cover Folge 5: Sonderfolge Weihnachtsgeschichte
À table! Der Frankreich-Podcast · Folge 5

Sonderfolge Weihnachtsgeschichte

Eine Weihnachtsgeschichte zwischen Sinai und Provence – über Lagerfeuer, Lieblingssterne und die Frage, wie Reisen unser Leben verändern.

Diese Folge anhören

Worum geht es in dieser Folge?

In der Weihnachts-Sonderfolge von „À table!“ erzählt Antje Seele von zwei Reise-Momenten, die 20 Jahre auseinanderliegen: einer Weihnachtsnacht am Lagerfeuer mit Beduinen in der Wüste Sinai und einem Sommerabend am Lac de Sainte-Croix in der Provence. Dazwischen liegt die Entstehungsgeschichte von Tour Exquisit. Im Mittelpunkt steht eine selbst geschriebene Zirkusgeschichte über eine Seiltänzerin, ihren Lieblingsstern und das Dorf Moustiers-Sainte-Marie, mit einer poetischen Erklärung, warum dort ein Stern zwischen den Felsen hängt.

Transkript der Folge

Sie möchten die Folge lieber lesen? Hier finden Sie die redaktionell geglättete Fassung der Episode. Der persönliche Erzählton und die Reiseeindrücke bleiben erhalten.

Podcast: À table! Der Frankreich-Podcast von Tour Exquisit
Folgentitel: Sonderfolge Weihnachtsgeschichte

[00:00:05]

Begrüßung: zwei besondere Momente

Bienvenue bei „À table!“, dem Frankreich-Podcast von Tour Exquisit mit Antje Seele. Willkommen zu dieser kleinen Weihnachtsfolge von Tour Exquisit. Heute möchte ich Sie zu zwei besonderen Momenten in meinem Leben mitnehmen. Einer liegt 20 Jahre zurück, in der Wüste Sinai in Ägypten. Der andere war in diesem Sommer in der Provence. Und dazwischen liegt die Entstehungsgeschichte von Tour Exquisit.

[00:00:32]

Weihnachten in der Wüste Sinai

Vor ungefähr 20 Jahren habe ich Weihnachten an einem ziemlich ungewöhnlichen Ort verbracht: in der Wüste Sinai, auf einer Kameltrekking-Tour. Wir waren acht Gäste, dazu fünf Beduinen und mehrere Kamele. Tagsüber sind wir durch die Landschaft gezogen, und am Abend saßen wir am Lagerfeuer. Eine der Bedingungen der Beduinen war: Abends sitzen sie unter sich. Also gab es zwei Kreise am Feuer, dort die Beduinen, hier wir Gäste. Ich weiß noch genau, wie lebendig es in ihrem Kreis war. Sie haben sich angeregt unterhalten, gelacht, Geschichten erzählt. Und wir acht Gäste, die sich vorher nicht kannten, saßen da und hatten erstaunlich wenig zu sagen. Wir waren es gar nicht gewohnt, uns einfach so Geschichten zu erzählen, obwohl es damals praktisch noch kein Handy gab. Das Erlebte und Gedachte in Worte zu fassen, war nicht so einfach. Das hat mich damals tief beeindruckt: dieser Unterschied, dort die selbstverständliche Erzählkultur und bei uns die große Stille. Und gleichzeitig war da in mir der Wunsch, mehr von solchen Momenten in meinem Leben zu haben. Mehr Reisen, die Geschichten schenken, mehr Begegnungen, die etwas in Bewegung bringen.

[00:01:49]

Ein Coach und der erste Funke von Tour Exquisit

In dieser kleinen Reisegruppe war damals auch ein Coach. Ich habe ihm erzählt, dass ich bei Airbus angestellt bin, aber irgendwie noch von etwas anderem träume. Er hat mir viele Fragen gestellt und mich sehr ermutigt, meinen eigenen Weg zu finden. Rückblickend war das einer der Momente, in denen die Idee von Tour Exquisit in mir angefangen hat, Form anzunehmen. Noch ganz zart, aber spürbar: etwas Eigenes schaffen, das einen so begeistert, bei dem man mit Herzblut dabei ist und das sich gar nicht wie Arbeit anfühlt, sondern wie eine Berufung.

[00:02:27]

Sommer am Lac de Sainte-Croix

Springen wir 20 Jahre nach vorne, in diesen Sommer. Ich war in der Provence, am Lac de Sainte-Croix, in einem Sportcamp. Wieder eine Reisegruppe, wieder Lagerfeuerstimmung, diesmal nicht in der Wüste, sondern am Wasser. Für den letzten Abend dort hatten wir eine kreative Aufgabe: Wir sollten uns eine Geschichte ausdenken, wie der Stern über dem Dorf Moustiers-Sainte-Marie dort hingekommen ist. Wenn Sie schon einmal dort waren, kennen Sie ihn vielleicht: ein großer, glänzender Stern, der hoch oben zwischen den Felsen an einer Kette hängt. Ich lag an diesem Nachmittag in einer Hängematte, und plötzlich war da eine Zirkusgeschichte in meinem Kopf. Über eine Seiltänzerin, einen Lieblingsstern und einen besonderen Ort in der Provence. Diese Geschichte habe ich damals im Sommer aufgeschrieben und am Abend am See erzählt. Und heute möchte ich sie mit Ihnen teilen, als kleine Einstimmung auf Weihnachten und als Einladung, sich wieder ein bisschen von Geschichten berühren zu lassen.

[00:03:29]

Die Zirkusgeschichte: eine Seiltänzerin reist durch Frankreich

Es war einmal, vor langer Zeit, ein Zirkus, der viele Jahre lang durch ganz Frankreich reiste. Die Wagen des Zirkus waren blau, gelb und rot gestrichen und wurden von weißen Pferden gezogen. Im Zirkus gab es einen Zauberkünstler, einen Clown, einige Tiere und verschiedene Akrobaten, darunter eine Seiltänzerin. Die Seiltänzerin liebte das Zirkusleben sehr: die kleinen Dörfer, immer neue Landschaften und überall Kinder zum Spielen. Die Kinder waren neugierig und kamen von überall her, um den Zirkus zu bewundern. Die Seiltänzerin hatte schon viel gesehen: die Küste der Bretagne mit dem rauen Atlantik und den Fischerdörfern, die Schlösser an der Loire, wo sie davon träumte, eine Prinzessin zu sein, die Pyrenäen mit ihren schneebedeckten Bergen, die glitzernden Orte an der Côte d’Azur und die Vulkane in der Auvergne. In diesem Jahr gastierte der Zirkus in der Provence, zuerst in den größeren Orten wie Avignon und Arles und später dann im Hinterland. Sie sah die blühenden Lavendelfelder auf dem Plateau von Valensole und die ockerfarbenen Steinbrüche von Roussillon. Aber nichts liebte sie in der Sommerhitze so sehr wie den glitzernden, türkisblauen See, den Lac de Sainte-Croix. Dort saß sie abends oft mit ihrer Zirkusfamilie am Ufer und lauschte den alten Geschichten, die die Älteren erzählten. Sie waren ihr ganzes Leben lang durch viele Länder gereist und berichteten von immer neuen Abenteuern. Von dort aus schaute die Seiltänzerin in den riesigen Sternenhimmel und sah immer wieder eine Sternschnuppe vorbeiziehen. „Ein Wunsch geht in Erfüllung“, sagten die Alten, „wenn man sich genau in diesem Moment etwas wünscht. Aber der Stern selbst ist dann unwiderruflich verloren.“

[00:05:19]

Der Lieblingsstern der Seiltänzerin

Nun hatte die Seiltänzerin einen Lieblingsstern und große Sorge, dass er eines Tages als Sternschnuppe vom Himmel fallen könnte. Sie hatte keinen größeren Wunsch auf der Welt, als dass dieser Stern am Himmel bliebe. Also fragte sie den Zauberer, wie sie dafür sorgen könne, dass ihr Lieblingsstern niemals erlöschen würde. Der Zauberer schüttelte traurig den Kopf. „Das ist unmöglich“, sagte er. „Du kannst jedoch in der Nacht davor in den See schauen. Wenn dein Stern in der nächsten Nacht unter den Sternschnuppen ist, wirst du ihn in der Spiegelung des Sees leuchten sehen. Wenn es dir dann gelingt, ein Netz zu spannen, wenn der Stern vom Himmel fällt, kannst du versuchen, ihn einzufangen.“ Das tat die Seiltänzerin. Jeden Abend schaute sie in den See und suchte mit wachen Augen den Himmel und sein Spiegelbild im Wasser ab. Eines Nachts sah sie ihren Lieblingsstern besonders hell leuchten, genau über einem Dorf, das an den Felsen klebte: Moustiers-Sainte-Marie. Sie bat alle Einwohner des Dorfes um Hilfe, und gemeinsam spannten sie ein riesiges Netz, um den Stern aufzufangen, falls er wirklich fallen sollte. Doch es half nichts. In derselben Nacht zog der Stern als wunderschöne Sternschnuppe mit einem langen Feuerschweif über den Himmel und verschwand.

[00:06:38]

Der Stern über Moustiers-Sainte-Marie

Die Seiltänzerin war unendlich traurig. Die Einwohner von Moustiers-Sainte-Marie aber hatten sie so in ihr Herz geschlossen, dass sie sie trösten wollten. Sie baten den Schmied des Ortes, einen glänzenden Stern aus Metall zu schmieden. Die besten Kletterer des Dorfes halfen, diesen Stern hoch oben zwischen den Felsen an einer langen Kette aufzuhängen. So hatte die Seiltänzerin wieder einen Stern, mit dem sie verbunden war. Jedes Jahr kam sie mit dem Zirkus nach Moustiers-Sainte-Marie zurück, gab eine besondere Vorstellung und veranstaltete ein großes Fest für die Einwohner. Und obwohl diese Geschichte sehr alt ist und die Seiltänzerin längst gestorben, erzählen sich die Menschen im Dorf noch heute: Wenn Vollmond ist und der Wind ganz still steht, kann man sie manchmal oben am Seil sehen, wie sie hoch über dem Dorf mit ihrem Stern tanzt.

[00:07:35]

Ein Lieblingsstern für die Weihnachtszeit

Diese kleine Zirkusgeschichte ist für mich eng mit meinem eigenen Weg verbunden. Mit dieser Weihnachtsnacht im Sinai, in der mir klar geworden ist, wie sehr uns Geschichten verbinden. Und mit diesem Sommerabend in der Provence, an dem ich den Stern über Moustiers-Sainte-Marie angeschaut habe. Vielleicht war die Nacht in der Wüste damals der Moment, in dem der erste kleine Stern für Tour Exquisit aufgeleuchtet ist. Und vielleicht war der Stern über Moustiers so etwas wie eine Erinnerung daran, warum ich heute Reisen gestalte: weil sie uns wieder ins Erzählen bringen, weil sie neue Bilder und Geschichten in unser Leben holen. Vielleicht haben Sie auch so einen Lieblingsstern in Ihrem Leben. Eine Reise, eine Begegnung, einen Gedanken, der etwas in Bewegung gebracht hat. Vielleicht ist diese Weihnachtszeit ein guter Moment, sich daran zu erinnern. Ich wünsche Ihnen eine ruhige, inspirierende Weihnachtszeit mit Momenten, die nachklingen, und Sternen, die für Sie leuchten.


Lust auf die Provence bekommen? Schreiben Sie mir eine kurze E-Mail an info@tourexquisit.de mit dem Betreff „Provence“. Ich antworte immer persönlich.