Podcast-Cover Folge 13: Burgund – eine Region, die sich langsam erschließt
À table! Der Frankreich-Podcast · Folge 13

Burgund – eine Region, die sich langsam erschließt

Entdeckungsreise durch Auxerre, Chablis, Guédelon, den Morvan bis nach Beaune.

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Worum geht es in dieser Folge?

In Folge 13 von „À table!“ reist Antje Seele mit Cécile Ambacher von Bourgogne-Franche-Comté Tourisme einmal quer durch Burgund: von Auxerre mit seiner Kathedrale über das Weißweingebiet Chablis und die Burgbaustelle Guédelon nach Vézelay, in den stillen Morvan mit seinen Seen und Wanderwegen, nach Autun, der „Schwester Roms“, und bis in die Weinhauptstadt Beaune mit den Hospices de Beaune. Dazu geht es um die Geschichte der Herzöge und Zisterzienser, die beste Reisezeit, einen perfekten Tag zwischen Beaune, Pommard und Meursault und um burgundische Küche von Gougères bis Œufs en meurette.

Transkript der Folge

Sie möchten die Folge lieber lesen? Hier finden Sie die redaktionell geglättete Fassung des Gesprächs. Der persönliche Gesprächston bleibt erhalten.

Podcast: À table! Der Frankreich-Podcast von Tour Exquisit
Folgentitel: Burgund – eine Region, die sich langsam erschließt

[00:00:00]

Begrüßung: Burgund, eine Region, die sich langsam erschließt

Antje Seele: Bienvenue bei „À table!“, dem Frankreich-Podcast von Tour Exquisit mit Antje Seele. Hier hören, schmecken und erleben Sie Frankreich auf vielfältige Weise – mit Menschen, die dem Land verbunden sind. Heute geht es ins Burgund, eine Region, die oft im Schatten der Provence oder der Côte d’Azur steht und die ich persönlich für eine der schönsten Landschaften Frankreichs halte. Ich kenne Burgund nicht nur als Reiseveranstalterin. Ich habe dort gelebt, und ich kehre immer wieder gern zurück. Was Burgund besonders macht? Es ist still, es ist tief – und es erschließt sich langsam, wenn man sich Zeit lässt. Heute spreche ich mit Cécile Ambacher, die für Bourgogne-Franche-Comté Tourisme arbeitet und für die deutschsprachigen Märkte zuständig ist. Gemeinsam reisen wir durch die Region, von Auxerre im Norden bis zur Weinhauptstadt Beaune. Bonjour Cécile, schön, dass du da bist.

Cécile Ambacher: Ja, bonjour Antje, guten Tag. Ich freue mich sehr, heute hier dabei zu sein.

[00:01:06]

Bourgogne-Franche-Comté: wo liegt Burgund?

Antje Seele: Wie bist du dazu gekommen? Du wohnst ja in Besançon, vertrittst aber die gesamte Region.

Cécile Ambacher: Ja, wir haben zwei Büros. Eins in Besançon und eins in Dijon, weil es jetzt die große Region gibt. Es ist jetzt zehn Jahre her, dass diese große Region Bourgogne-Franche-Comté existiert, und für Deutschland versuchen wir, sie als Reiseziel zu vermarkten, das heißt Burgund, das Jura und die Südvogesen, damit unsere Kunden ein bisschen besser wissen, wo wir in Frankreich sind.

Antje Seele: Vielleicht für die, die Burgund nicht kennen: Kannst du das ein bisschen geografisch einordnen?

Cécile Ambacher: Burgund liegt ungefähr 100 Kilometer südlich von Paris, und Dijon ist die Hauptstadt. Westlich hat man den Morvan, da sind Berge, und auch die Loire. Wir haben auch die Saône als Fluss. Und südlich von Dijon haben wir die Weinstraße. Wir haben auch viele Kanäle, dafür ist die Region auch im Flusstourismus bekannt. Natürlich für die Weine, auch zum Wandern, und die kleinen Dörfer sind bekannt, von denen natürlich einige mit Wein zu tun haben, andere mit der Geschichte, mit dem Mittelalter und der römischen Zeit, wie Autun zum Beispiel.

[00:02:38]

Was Deutsche über Burgund wissen – und was nicht

Antje Seele: Was fragen dich … Ihr habt ja gerade eine Tour durch Deutschland gemacht, um die Region bekannter zu machen. Was fragen dich die Deutschen? Wie ist die Vorstellung? Kannst du einen Unterschied erkennen zwischen der Vorstellung, die Deutsche von Burgund haben, und dem, wie es wirklich ist?

Cécile Ambacher: Ja, viele kennen Burgund. Die glauben, dass sie Burgund kennen, durch die Weine oder die Geschichte der Kirchen oder die kleinen Dörfer. Oder eine Stadt wie Dijon mit dem Senf. Die Gastronomie ist vor allem für die Weine bekannt, aber wir haben viel mehr als Weine. Wir haben auch Spezialitäten wie überall, zum Beispiel Œufs en meurette. Wir haben auch Bauernhöfe mit Hühnern im südlichen Burgund oder das Bœuf charolais im südlichen Burgund. Aber sie wissen nicht genau, dass die Region sehr groß ist und sehr viel Natur hat. Es leben nicht so viele Leute in Burgund. Und das ist heutzutage sehr gut: Es ist nicht so überlaufen.

Antje Seele: Genau. Denn als ich mich das erste Mal wirklich längere Zeit in Burgund aufgehalten habe, ist mir immer unheimlich aufgefallen: Das ist so eine ganz liebliche Landschaft, die ist so wellig, und dann stehen da überall diese weißen Charolais-Rinder. Hinter jeder Ecke gibt es irgendwie eine Burg oder so ein buntes Dach oder so ein schönes Steinhaus. Das war mir auch nicht so klar. Ich glaube, jeder kennt natürlich Burgunderwein. Aber alles, was es im Burgund gibt, ist in Deutschland gar nicht so bekannt, und das würde ich heute gerne ein bisschen ändern. Das heißt, wir reden erst mal noch ein bisschen allgemein über Burgund, und dann würde ich gern mit dir einmal eine Reise quer durch das Burgund machen.

[00:04:32]

Cécile Ambacher: Gut, gute Idee.

[00:04:34]

Herzöge, Klöster und Flüsse: die Geschichte Burgunds

Antje Seele: Die Geschichte ist ja auch der Schlüssel zum Burgund. Burgund war eine Region, die auch mal zu England gehörte?

Cécile Ambacher: Ja, richtig. Die Herzöge spielen da eine große Rolle, auch die Gräber der Herzöge in Dijon. Und es gibt viele Klöster und Zisterzienser, mit den Mönchen und auch den Abteien – das war sehr wichtig. Wie kann ich sagen? Das hat viel Kraft, viel Geld gebracht. Auch mit den Menschen, die gearbeitet haben, und natürlich mit dem Wein und dem Käse dazu. Das hat der Wirtschaft sehr geholfen. Und dazu kamen die Flüsse: Man konnte die Waren auf den Flüssen von einer Stadt zur anderen bringen. Deshalb ist Burgund gewachsen. Das sind Orte, die heutzutage noch sehr bekannt sind, einige sind von der UNESCO anerkannt.

[00:05:40]

Nord und Süd: ein Land mit vielen Gesichtern

Antje Seele: Und innerhalb des Burgund ist es ja auch ziemlich unterschiedlich, oder? Nordburgund finde ich ganz anders als den Süden. Kannst du irgendwie sagen, was sich da verändert?

Cécile Ambacher: Ja, im Norden, in der Region von Chablis oder Auxerre, ist es ein bisschen flacher, anders. Und westlich haben wir den Morvan. Das sind Hügel, die sehr schön sind, mit den Dächern der Dörfer, die ganz speziell sind, schwarz. Das hat viel Charakter. Und im südlichen Burgund fühlt man sich schon ein bisschen wie in Südfrankreich. Die Dörfer haben andere Farben. Es gibt viele Obstbäume, natürlich auch Weine, aber die Atmosphäre ist schon etwas anders.

Antje Seele: Generell eher ein ruhigerer Landstrich, wenn man es zum Beispiel mit der Provence vergleicht? Dort ist es heißer, trubeliger … Was sind so die großen Unterschiede?

Cécile Ambacher: Ich kann sagen, dass die Leute ruhig sind und ohne viel Stress leben, und man spürt noch die Tradition. Zum Beispiel gibt es Köche, die ganz gerne kochen. Die renovieren, die machen andere Rezepte, aber sie behalten diese langen Traditionen, wenn man aus dem Burgund kommt. Es gibt viele, die hier bei uns bleiben. Die reisen gern, aber sie kommen immer zurück, weil sie hier Ruhe finden und auch ein Leben, das sie gern haben.

[00:07:23]

Antje Seele: Und es ist hier auch sehr bäuerlich geprägt. Mir ist in Burgund total aufgefallen, dass fast jedes Häuschen einen ganz schönen Gemüsegarten hat. Das habe ich total geliebt. Und alles sehr gepflegt. Das ist, finde ich, schon ein ganz anderes Frankreich als weiter im Süden.

Cécile Ambacher: Viele haben noch einen Obstgarten oder auch einen Garten mit Gemüse, und die Leute leben ein bisschen mit der Natur. Viele haben auch ältere Häuser gekauft und renovieren lassen. Und viele haben ja den Platz, das heißt, man kann sich ohne Probleme einen Garten leisten. Ein bisschen Geduld braucht man natürlich. Und ich glaube auch, dass das Wetter bei uns nicht so schlecht ist, weil so viel produziert wird. Wenn man sich darum kümmert, ist es sehr lebendig, dann fühlt man sich wohl.

[00:08:18]

Die beste Reisezeit

Antje Seele: Wie ist das mit dem Wetter? Wann, würdest du sagen, ist die beste Reisezeit?

Cécile Ambacher: Da würde ich sagen: Frühling, Anfang Sommer. Der Herbst ist natürlich gut, fast überall in Frankreich, weil viel produziert wird, besonders mit den Weinen. Aber die Winzer sind im September sehr beschäftigt, ja, September, Oktober. Und ab Mai.

[00:08:44]

Eine Route von Norden nach Süden

Antje Seele: Bevor wir jetzt konkret über einzelne Orte sprechen, möchte ich kurz innehalten. Denn Burgund ist eine Region, die sich nicht einfach abhaken lässt – sie erschließt sich langsam, und das ist ihr größtes Geschenk. Ich empfehle immer: Fangen Sie im Norden an, in Auxerre, fahren Sie durch Chablis, dann weiter nach Guédelon, nach Vézelay und in den Morvan. Und weiter geht die Reise über die Route des Grands Crus hinunter nach Beaune, mit einem Zwischenstopp in Autun. Das ist längst nicht alles, was Sie in Burgund sehen können. Aber so bekommen Sie schon einmal einen Eindruck, was diese Region so besonders macht.

[00:09:20]

Auxerre: die Stadt am Fluss

Antje Seele: Wir beginnen eigentlich im Norden, in Auxerre. Das ist ja tatsächlich gar nicht so weit weg von Paris.

Cécile Ambacher: Richtig. Viele Leute aus Frankreich, Pariser und so, kennen Auxerre. Die Altstadt ist sehr schön mit der Kathedrale, eine sehr hübsche und lebendige Stadt, auch nicht sehr weit von Chablis.

Antje Seele: Das ist mir total aufgefallen: Man kann auf der Brücke Pont Paul-Bert stehen und auf die Stadtsilhouette gucken, und da sieht man einmal die Kathedrale, aber auch noch andere Kirchen drumherum. Es ist wirklich eine tolle Aussicht, und ich finde ja immer, Städte am Fluss haben etwas Besonderes. Man kann mal eine kleine Bootstour machen oder einfach an der Promenade entlanggehen, total herrlich.

Cécile Ambacher: Ja, richtig. Und die Stadt ist nicht nur im Sommer lebendig, sondern das ganze Jahr.

[00:10:11]

Chablis: mineralischer Weißwein

Antje Seele: Genau da würden wir nämlich gleich weiterfahren. Chablis ist ja die Weinbauregion im Nordburgund, und es wird hauptsächlich Weißwein angebaut. Warum ist Chablis so berühmt?

Cécile Ambacher: Die Qualität, und er ist sehr mineralisch, was die Säure mitbringt. Das ist kein süßer Wein, er hat viel Geschmack und viel Charakter. Und ich glaube, deshalb, weil es nur Weißweine sind … Und das hat sich ganz schnell entwickelt, in Frankreich, in Europa und in der Welt. Wenn man von Chablis spricht, weiß man sofort, dass es ein Weißwein ist und dass er einen bestimmten Geschmack hat.

Antje Seele: Ja, so ein mineralischer Geschmack. Das ist, glaube ich, der kalkhaltige Boden, der das auch macht. Ich liebe Chablis! Ich muss aber gestehen, ich vertrage ihn nicht immer gut. Aber das hält mich nicht ab.

[00:11:11]

Guédelon: eine Burg wie im Mittelalter

Antje Seele: Dann gibt es ganz in der Nähe noch eins meiner absoluten Lieblingsprojekte: die Burgbaustelle Guédelon. Da wird eine Burg mit den Mitteln des 13. Jahrhunderts gebaut. Und um die Burg herum sind lauter Handwerke angesiedelt, denen man zuschauen kann. Ich bin da schon mehrfach gewesen, auch mit meinem Sohn. Das ist natürlich für Kinder total toll, aber ich finde es auch für Erwachsene sehr interessant.

Cécile Ambacher: Viele Schüler fahren hin und ältere Menschen, und jeder macht einen Kommentar, sehr lebendig. Das hört nicht auf. Man hat viel Energie, man will es machen wie im Mittelalter. Man braucht mehr Zeit, mehr Geduld, und man braucht Leute mit Fachkenntnissen, die fast verloren waren, aber jetzt zurückkommen und wie im Mittelalter arbeiten. Viel Geduld, viel Zeit, aber es sieht sehr schön aus. Und es ist sehr lebendig, jetzt gibt es auch ein Restaurant. Sie versuchen, dass die Leute, wenn sie kommen, auch vor Ort essen, und zwar Spezialitäten aus dem Mittelalter oder so ähnlich. Wie gesagt, das ist nicht oberflächlich. Das wird wirklich ernst genommen, es wird sehr gut erklärt, und man kann mehrmals hinfahren. Es gibt immer etwas Neues zu entdecken.

Antje Seele: Genau. Ich empfehle das allen unseren Kunden, die dort sind, und es gibt immer mal wieder welche, die sagen: Ach, das brauche ich nicht! Und dann sind sie doch ganz begeistert, was das für ein tolles Projekt ist. Am Anfang wurde das sehr belächelt, und jetzt ist es ein Erfolgsprojekt. Du sagst ja, es fahren, glaube ich, Schulklassen aus ganz Frankreich hin. Aber wie gesagt, es ist nicht nur für Kinder. Es ist eigentlich für jeden, um mal zu verstehen, wie man im Mittelalter überhaupt gelebt hat.

[00:13:07]

Cécile Ambacher: Man versteht Burgund besser, wenn man nach Guédelon gefahren ist und es besichtigt hat.

[00:13:15]

Vézelay: Licht in der Basilika

Antje Seele: Und dann bewegen wir uns langsam weiter Richtung Süden. Wir sind jetzt im Norden des Morvan. Das hast du vorhin schon erklärt. Der Morvan ist so dieser dunkle Wald mitten in Burgund. Und ganz im Norden davon gibt es eines der berühmtesten Wahrzeichen, nämlich Vézelay, die große Pilgerstätte. Die Kirche auf einem Hügel – das ist UNESCO-Weltkulturerbe.

Cécile Ambacher: Richtig! Richtig, und sehr schön. Aber wenn man in Vézelay ist, muss man unbedingt zu Fuß hinauflaufen. Und zu bestimmten Zeiten im Jahr, zur Sonnenwende – ich weiß nicht, wie man das auf Deutsch sagt –, kann man diese gerade Lichtlinie sehen. Man sieht sie durch die Kirche hindurch, man kann es genau sehen. Das bringt viel Frieden. Das ist sehr schön, besonders früh, wenn wenige Leute da sind.

Antje Seele: Ich erinnere mich an diese total beeindruckende Raumwirkung, und genau das ist dieser Lichtstrahl, der zu bestimmten Zeiten so fällt, dass er einen praktisch in die Kirche hineinzieht.

Cécile Ambacher: Ja, richtig, man muss sich Zeit nehmen. Man braucht auch ein bisschen Zeit, um mit den Menschen dort, den Anwohnern, zu sprechen. Vielleicht sprechen sie am Anfang nicht sofort mit dir, aber mit dem Wein oder mit Erklärungen, wenn du Interesse hast … Dann geben sie dir viel mehr Zeit als an anderen Orten, und dann hast du fast Freunde, die möchten, dass du zurückkommst.

[00:15:03]

Antje Seele: Wie ist das im Burgund? Sprechen die Einwohner Englisch?

Cécile Ambacher: Das ist schon ein bisschen besser als früher. Deutsch wird nicht so viel gesprochen, von einigen schon. Aber die Franzosen sind für Sprachen nicht so begabt. Ich habe aber schon bemerkt, mit jungen Kollegen oder anderen, dass es besser wird als vor 20 oder 30 Jahren, zum Glück.

[00:15:35]

Der Morvan: die grüne Lunge Burgunds

Antje Seele: Und dann fahren wir jetzt von Vézelay aus durch den Morvan. Wenn du an diese dunkle Lunge von Burgund denkst, was fällt dir ein? Was für Bilder hast du im Kopf?

Cécile Ambacher: Ich sehe kleine Hügel, die Natur ist überall. Das gefällt mir ganz gut. Es ist ruhig und sehr grün. Und ein Teil davon wurde ein Naturschutzgebiet. Da gibt es viele Wanderwege, kleine Straßen … Die Architektur der Dörfer ist sehr angenehm, noch die Tradition der älteren Häuser mit Dächern, die dunkel sind.

Antje Seele: Und wir haben ja schon über die vielen Kanäle gesprochen, die Burgund durchziehen. Zum Morvan fallen mir noch zwei Geschichten ein. Einmal ist ja die Holzflößerei dort sehr bekannt gewesen. Die haben im Morvan das Holz geschlagen und über die Flüsse nach Paris gebracht, zum Heizen.

Cécile Ambacher: Ja, richtig. Richtig! Das war in dieser Epoche eine große Industrie. Ich glaube, es gibt ein Museum, da kann man hingehen, und dort wird diese lange Tradition erklärt.

Antje Seele: Eine zweite Geschichte: Weil es ja nicht so weit von Paris entfernt ist und weil da so eine gute Luft ist, gab es die Ammen im Morvan. Die reichen Pariser haben ihre Kinder sozusagen in den Morvan geschickt, damit Ammen, die im Morvan wohnten, die Kinder mit ihrer Milch ernähren. Stimmt das?

[00:17:22]

Cécile Ambacher: Ja, stimmt! Das ist die Maison des Nourrices. Die gibt es als Museum. Heute sind es Leute, die dort ein Zweithaus haben – als Ferienhaus im Morvan. Die Zeit hat sich verändert.

Antje Seele: Und dann gibt es einen großen Stausee im Morvan, den Lac des Settons. Da kann man auch ganz schön einmal herumgehen, so eine Seewanderung machen.

Cécile Ambacher: Ja, man kann auch mit dem Boot oder mit dem Fahrrad herumfahren.

[00:17:53]

Autun: die Schwester Roms

Antje Seele: Dann fahren wir von da aus weiter. Autun wurde, das habe ich mir sagen lassen, mal die Schwester Roms genannt. Das ist natürlich ein ganz schöner Vergleich. Es gibt in Autun noch einige römische Relikte. Was gibt es da?

Cécile Ambacher: Ja, es gibt ein Theater. Und auch Türme. Sehr schön, finde ich, ja. Ich finde es wirklich ein bisschen wie Rom, weil man mitten in der Stadt diese Geschichte hat, die heutzutage noch lebendig ist. Die Kathedrale ist auch wunderschön. Die wurde, glaube ich, auch renoviert, und da ist das Tympanon oben über dem Portal. Das ist wirklich wunderschön!

Antje Seele: Das ist ja auch dieses Burgundische: Burgund ist ja von der Romanik geprägt, die ich total mag. Weil sie so ganz reduziert und ruhig ist, und sie ist auch bekannt für diese ganz feinen Kapitelle, die damals gemeißelt wurden, kann man wohl sagen.

Cécile Ambacher: Ja, richtig!

Antje Seele: Und das darf man ja nicht vergessen: Das waren ja Zeiten, in denen die Kirchen richtig Geschichten erzählt haben. Ich habe mich mal ein bisschen länger nur mit diesem Tympanon beschäftigt und damit, was man daraus alles lesen kann, wenn man weiß, was da zu sehen ist. Deswegen sage ich immer, gerade diese Region braucht viel Zeit, weil diese Kirchenarchitektur und das, was man daraus alles ablesen kann, total faszinierend ist. Aber man muss erst mal wissen, wo man anfangen soll.

[00:19:27]

Cécile Ambacher: Ja, richtig! Man kann schon selbst oder mit einem Führer schauen, aber man muss sich Zeit nehmen, nicht nur fünf Minuten oder eine halbe Stunde. Und ja, es ist sehr, sehr reich! Es gibt viele Orte, die noch renoviert werden müssen, aber viele sind noch sehr schön zu entdecken.

[00:19:56]

Ein perfekter Tag im Burgund

Antje Seele: Jetzt, wo wir durch die Region gereist sind, möchte ich Ihnen beschreiben, wie für mich ein perfekter Burgund-Tag aussieht. Das ist kein Programm, das ist eher ein Gefühl. Sie übernachten in einem der besonderen Häuser der Region, auf dieser Reise zum Beispiel im ehemaligen Wohnhaus der Sängerin France Gall, in einer kleinen Ockerfabrik, die umgebaut wurde, oder in einer alten Wassermühle bei Autun, ganz ruhig mitten in der Natur. Morgens früh gehen Sie auf den Samstagsmarkt in Beaune – das ist nicht irgendein Wochenmarkt. Das ist der Treffpunkt der ganzen Region. Winzer, einheimische Köche. Sie schlendern durch die Gassen, kaufen Käse, im Herbst Trüffel, Gougères vom Stand und trinken dann einen Kir auf einer der Terrassen oder in einer Weinbar. Von Beaune aus fahren Sie dann nach Pommard. Das ist einer der bekanntesten Winzerorte der Côte de Beaune, und Sie können dort wunderbar durch die Weinberge wandern – langsam, vielleicht ohne Ziel. Dann bei einem Winzer zu Mittag essen. Die Region hat viele kleine Adressen, die Sie nicht im Reiseführer finden. Weine probieren, die man woanders nicht bekommt. Am Nachmittag vielleicht zu Fuß durch die Weinberge zurück nach Beaune, in diesem besonderen Herbstlicht, und dann weiter nach Meursault oder Puligny-Montrachet, einfach um sich zu verlieren. Das klingt schlicht, aber genau das ist Burgund. Es braucht keine großen Attraktionen.

[00:21:18]

Beaune: die Weinhauptstadt

Antje Seele: Eine meiner absoluten Lieblingsstraßen ist die Route des Grands Crus, von Autun nach Beaune. Dijon ist die Hauptstadt von Burgund, und Beaune ist die Weinhauptstadt. Das ist eine kleine Stadt, die hat, glaube ich, nur 50.000 Einwohner. Erzähl doch mal, was Beaune so besonders macht!

Cécile Ambacher: Ja, die Hospices de Beaune, das Spital mit den Dächern, die so schöne Farben haben … Und die Stadt ist klein, hat aber viel zu bieten. Es gibt viele Gassen, sehr lebendig, Geschäfte, kleine Hotels, Märkte und natürlich viele Winzer. Keine große Stadt, aber wirklich weltberühmt.

Antje Seele: Einmal das Hospice de Beaune mit den bunten glasierten Ziegeln auf dem Dach. Das ist, glaube ich, das, was jeder kennt. Eine kleine Stadtmauer, auf der man auch herumgehen kann. Und weil es die Weinhauptstadt ist, gibt es, wie ich mir habe erklären lassen, in den Stadtmauern und auch unter der Stadt wahnsinnig viele Weinkeller.

Cécile Ambacher: Ja, richtig. Man kann unten fast durch die ganze Stadt hin und her laufen. Das ist eine lange Strecke. Man braucht fast jemanden, der das erklärt. Aber ja, richtig! Das sind wie Straßen, sehr … Die Keller da unten sind wirklich sehr groß. Die Leute aus der Region kommen auch tatsächlich in die Stadt. Das ist die Stadt, in der sich alle treffen und in der gehandelt wird.

[00:23:04]

Antje Seele: Ich habe in Erinnerung, dass es dort viele Galerien und viel Kunst gibt.

Cécile Ambacher: Kunst ist auch wichtig. Das hat sich entwickelt, weil Künstler sich dort wohlfühlen, auch Leute, die am Wochenende oder einen Teil des Jahres dort wohnen.

Antje Seele: Ja.

Cécile Ambacher: Das bringt viel Leben in die Stadt.

[00:23:24]

Gougères, Kir und Œufs en meurette

Antje Seele: Was ist dein absolutes Lieblingsgericht der burgundischen Küche? Gibt es eins, bei dem du sagst: Wenn ich mir nur eins aussuchen dürfte, wäre es das?

Cécile Ambacher: Das ist vielleicht keine Spezialität, das sind diese Gougères, diese kleinen Dinger.

Antje Seele: Das sind so Windbeutel, oder? Ja, die sind … Isst man die zum Wein oder so?

Cécile Ambacher: Und ich finde sie zum Apéritif ganz gut, weil man dann diese Dinger isst. Diese Spezialitäten sind nicht zu viel. Die sind sehr angenehm, die sind mit Comté-Käse und mit Eiern gemacht, ein bisschen wie Brioche. Und ich finde sie zum Apéritif gut. Der Kir stammt auch aus der Region, lecker, und dazu entweder Crémant oder Weißwein, Bourgogne Aligoté. Das gehört zu Burgund dazu. Aber es gibt natürlich auch andere Spezialitäten wie Bœuf bourguignon oder Œufs en meurette.

Antje Seele: Das sind die Eier in Weinsoße, oder?

Cécile Ambacher: Ja, Œufs en meurette sind wichtig. Und Pilze esse ich auch immer gern, im Herbst, das gehört dazu, besonders mit Rotwein aus Burgund.

Antje Seele: Mit einem leckeren Pinot noir. Über Wein spreche ich noch in einer meiner nächsten Folgen. Unbedingt. Und ich bedanke mich sehr bei dir, Cécile, dass du dir die Zeit genommen hast.

[00:24:54]

Cécile Ambacher: Ich hoffe, es hat Spaß gemacht.

Antje Seele: Und wir haben ja schon gesagt: Das nächste Mal, wenn ich im Burgund bin, treffen wir uns und trinken zusammen einen Kir.

Cécile Ambacher: Ja, unbedingt.

Antje Seele: Ja, das ist der Aligoté, der Weißwein, mit Cassis. Mit dem Johannisbeerlikör?

Cécile Ambacher: Genau! Das ist Burgund.

Antje Seele: Tschüss.

Cécile Ambacher: Tschüss!

[00:25:15]

Ausklang

Antje Seele: Burgund ist nicht laut, es stellt sich nicht in den Vordergrund. Aber wer sich Zeit nimmt, findet dort etwas, das man selten bekommt: das Gefühl, wirklich angekommen zu sein. Herzlichen Dank an Cécile Ambacher für dieses Gespräch. Wenn Sie neugierig sind und die Region Burgund entdecken möchten, melden Sie sich gerne. Alle Informationen finden Sie auf tourexquisit.de. À bientôt, bis zur nächsten Folge, Ihre Antje Seele.