Zwischen Geschichte und Genuss – das Périgord entdecken
Das Périgord im Südwesten Frankreichs zählt zu den vielseitigsten Regionen des Landes. Zwischen Dordogne-Tal, mittelalterlichen Orten und kulinarischer Tradition entfaltet sich eine Landschaft, die sich besonders gut individuell entdecken lässt.

Henry Miller schrieb über das Périgord: “Es kann geschehen, dass Frankreich eines Tages aufhört zu existieren. Aber das Périgord wird überleben, ganz wie die Träume, mit denen sich die menschliche Seele nährt.” Diese wundervolle Region im Südwesten Frankreichs stand lange auf meiner Wunschliste – doch so richtig kennengelernt habe ich sie erst durch mein ausführliches Gespräch mit Karin Denzler. Karin ist Schweizerin, Wanderführerin und lebt seit 2018 im Périgord. Sie hat mir einen so lebendigen Einblick in ihre Wahlheimat geschenkt, dass ich am Ende der Episode nur noch dachte: Hier muss eine Reise entstehen.
Karin Denzler und ihre Verbindung zum Périgord

Karin Denzler stammt ursprünglich aus der Schweiz und verbringt seit Jahren nicht nur Urlaube, sondern ihr tägliches Leben im Périgord. “Das begann mit Urlaub halt. Immer wieder mal, immer wieder mal in eine andere Ecke des Périgord – und was uns immer hier fasziniert hat, ist die Atmosphäre, der Mix aus Geschichte und Vorgeschichte…” Mit diesen Worten fasst Karin ihre Begeisterung für die Region zusammen. Für Karin ist das Périgord ein Ort, an dem sich Geschichte wirklich an jeder Ecke greifen lässt, in dem Vorzeit und Gegenwart geradezu miteinander verschmelzen. Dass sie Wanderführerin wurde, ist da fast folgerichtig – als jemand, der Menschen die Region gern nahbringt, nicht nur auf Wegen, sondern in Gesprächen, beim Einkauf auf dem Markt, beim gemeinsamen Genießen.
Landschaft und Geschichte im Périgord
Doch was prägt das Périgord? Für viele ist es gleichbedeutend mit dem Fluss Dordogne – und tatsächlich, so erklärt mir Karin, ist das heutige Département Dordogne schlicht die fortgelebte alte Region Périgord. Sie erzählt von ihrem Alltag: Sie lebt “auf dem Dorf, ein bisschen außerhalb des Dorfs, so auf dem Hügel”. Ein Ort mit besonderer Atmosphäre, denn hier finden sich Menschen aus der ganzen Welt: “20 Prozent der festen Einwohner sind Englisch sprechend.” Engländer, Australier, Amerikaner – sie alle zieht es offenbar ins Périgord.

Besonderes Gewicht hat hier die Geschichte: Zahlreiche Burgen und Schlösser reihen sich entlang des Flusses, Zeugen des Hundertjährigen Krieges, als die Dordogne Grenzregion war. So stehen sich bis heute Château Beynac (französisch) und Château de Castelnaud (einst englisch) gegenüber, gleichsam Wächter auf ihren hohen Felsen. Karin empfiehlt beide als “wunderschöne Zeitreise”, am besten per Audioguide – etwa das Château de Beynac, das oben über dem gleichnamigen Dorf thront, zu erreichen über steile Kopfsteinpflastergassen, und das Château de Milande, bekannt als Wohnort von Josephine Baker. “Wenn man da reingeht, fühlt es sich wie ein Gang durch ihr Leben an.” Für Karin unbedingt ein Highlight!
Orte und Märkte im Périgord
Ein Dorfleben ohne Markt – in Frankreich kaum denkbar, im Périgord schon gar nicht. Karin erzählt warmherzig, wie sie zum Markt fährt, “mit dem Fahrrad in zwei Minuten ins Dorf hinuntersausen, zum Markt zum Beispiel”. Dort ist er, der wöchentliche Treffpunkt, an dem sich Produzent:innen, Nachbarn und Freunde begegnen. “Die Eier meiner Gemüsefrau schmecken unterschiedlich, werden je nach Verwendungszweck sogar empfohlen – das ist Beziehung, Geschmack und Lebensqualität.” Auch der Charakter der Märkte wechselt im Jahreslauf: Im Sommer kann der Markt von 30 auf 120 Stände anschwellen, im Winter bleibt es intimer.

Einen Unterschied, den ich spannend fand: die feinen Nuancen zwischen Antiquitätenmärkten (Brocante) und klassischen Flohmärkten (Vide Grenier). Im Frühjahr bis Oktober kann man überall stöbern, genießen und Kurioses aufspüren, oft jeden Sonntag in wechselnden Dörfern. Und all das vor der Kulisse der ockerfarbenen Steinhäuser, mit Blöcken aus eisenhaltigem oder weißen Gestein, je nach Ecke des Périgord. Architektur, Wald und Geschichte bilden hier ein tief verwobenes Gewebe.
Kulinarik im Périgord

Kaum eine Region Frankreichs steht so sehr für Genuss wie das Périgord. “Zeit, Genießen, Geselligkeit, Weite und Ruhe” – so beschreibt Karin das Lebensgefühl und gibt stellvertretend für viele die Trüffel, die Walnuss und eine gehaltvolle Küche als Markenzeichen aus. Trüffel werden gefeiert, etwa in Sarlat beim großen Trüffelfest, aber auch bei kleinen Apero-Events auf dem Weingut, zu denen Trüffelbauer:innen Trüffelbutter reichen – “es wird zelebriert und geschätzt”.

Restaurants gibt es von der bäuerlichen Auberge bis zum Sternehaus, oft mit viel Gans, Ente und kräftigen Saucen. Ihre Empfehlung für ein unkompliziertes, herzliches Essen: “Chez Julien” in Bunac, untergebracht in der alten Pfarrwohnung neben der Kirche, mit einer zauberhaften Terrasse und viel Gastfreundschaft. Walnussöl war früher und ist bis heute ein regionaler Schatz: “Es gibt alte Walnussmühlen, wo der Duft der frisch gemahlenen Nüsse fast betörend ist.” Für mich klingt all das nach verführerischen Stunden auf dem Markt, beim Apero, im kleinen Restaurant – und nach einem entschleunigten Genuss.
Wandern und Aktivitäten im Périgord

Das Périgord kann man (und sollte man!) zu Fuß entdecken. “Die alten römischen Pfade, oft mit Trockensteinmauern und von Moos überwachsen, führen durch Eichen- und Kastanienwälder, zu Höhlenwohnungen, Burgen und herrlichen Aussichtspunkten.” Karin schwärmt besonders von Wanderungen entlang der Dordogne zwischen den Dörfern Beynac, Castelnaud und Domme – allesamt “Les Plus Beaux Villages de France”. Wanderungen lassen sich verbinden – mit Besuchen im Walnussmuseum, beim Trüffelbauern oder eben mit einer entspannten Mittagspause. “Wichtig: Nach 13:15 Uhr gibt es ohne Vorbestellung kein Mittagessen mehr – das sind die französischen Gepflogenheiten!”

Auch eine Bootstour auf der Dordogne ist möglich – vorzugsweise außerhalb der Hochsaison. Karin empfiehlt, den Frühling oder Herbst zu wählen, “dann hat man das Gefühl, die Region fast ganz für sich zu haben.”
Mein persönliches Fazit: Das Périgord als Reise-Idee für Tour Exquisit

Nach diesem Gespräch mit Karin stand für mich fest: Das Périgord vereint Geschichte, landschaftliche Weite, kulinarischen Reichtum und große Gastfreundschaft auf eine Weise, die selten geworden ist. Bei Tour Exquisit ist es unser Anspruch, genau solche Regionen erlebbar zu machen – mit Muße, abwechslungsreichen Aktivitäten, lokalen Akteur:innen und echten Begegnungen. So arbeiten wir derzeit an einer individuellen Selbstfahrerreise durch das Périgord – mit Wanderungen auf alten Pfaden, vielleicht einer Trüffelsuche bei einem Bauern, einem Kochkurs vor Ort und – wer weiß – einer oder mehreren Etappen mit Karin als Wanderführerin.
Unsere Reisen sind nie von der Stange, sondern sorgfältig kuratiert für Menschen, die den Raum und die Zeit vor Ort wirklich aufsaugen möchten.
Weiterführende Links
Ich lade Sie ein: Hören Sie unsere Podcastfolge in voller Länge, tauchen Sie mit uns ins Périgord – und vielleicht begegnen wir uns ja bald auf einer unserer Reisen in dieser außergewöhnlichen, genussreichen Region Frankreichs.

